Rykle Borger

Rykle Borger (*24. Mai 1929 in Wieuwerd/Niederlande, †27.12.2010 in Göttingen) studierte von 1946-53 Orientalistik und Theologie an der Universität Leiden. Dort wurde er 1953 mit der Dissertation „Die Inschriften Asarhaddons, Königs von Assyrien“ promoviert.

Ab 1954 führte seine wissenschaftliche Laufbahn ihn nach Göttingen, wo er als Wörterbuchassistent von Wolfram von Soden an der Arbeit am Akkadischen Handwörterbuch (AHw) beteiligt war. Diese Tätigkeit setzte er bis 1957 in Wien fort. Ab dem Wintersemester 1957/58 erhielt er einen Lehrauftrag an der Universität Göttingen und gegen Ende des Jahres 1958 folgte die Habilitation Borgers mit dem Titel „Einleitung in die assyrischen Königsinschriften. Erster Teil: Das zweite Jahrtausend vor Chr.“ 1959 wurde er dann zum Dozenten ernannt.

Nachdem Borger 1961 einen Ruf als Nachfolger von Sodens an die Universität Wien erhielt, schufen die Philosophische und die Theologische Fakultät der Universität Göttingen gemeinsam ein Ordinariat für Assyriologie, welches er 1962 antrat und 36 Jahre lang bis zu seiner Emeritierung 1997 innehatte. Er lebte, lehrte und forschte insgesamt 56 Jahre in Göttingen, bis er dort am 27. Dezember 2010 starb.

Borger prägte die Altorientalistik in Göttingen nachhaltig. 1975 organisierte er zum 200. Geburtstag von Georg Friedrich Grotefend die „Rencontre Assyriologique Internationale“ in Göttingen, die weltweit größte Tagung von Altorientalist*innen. Außerdem war er seit 1978 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Neben Leiden, Wien und Göttingen zählte das British Museum in London fast ebenso zu seiner Heimat, da er dort unzählige Stunden verbrachte, um Keilschrifttafeln zu prüfen, zu identifizieren, zu kopieren und zu joinen.

In Göttingen erlebte Borger seine produktivsten Jahre. Beispielsweise entstanden hier solch unentbehrliche Werke wie das „Handbuch der Keilschriftliteratur Vol. 1-3“ (Berlin 1967-75), welches die gesamte Sekundärliteratur des Faches von vor fast 100 Jahren bis 1974 aufführt und damit unentbehrlich sowohl für Studierende als auch für Wissenschaftler*innen wurde und die „Babylonisch-assyrischen Lesestücke“ (Rom 1979), ein Lehr- und Lesebuch, welches es in dieser Form in der Altorientalistik bis dahin nicht gab, sind ihm zu verdanken. Ein drittes grundlegendes Werk ist die „Assyrisch-babylonische Zeichenliste“ (Kevelaer 1978), die erst 2003, nun unter dem Titel „Mesopotamische Zeichenliste“ (Münster 2003), stark überarbeitet und erweitert neu aufgelegt wurde und noch 2010 in 2. revidierter und aktualisierter Auflage erschien. Sie ist bis heute eines der wichtigsten Werkzeuge beim Lesen von Keilschrifttexten. Darüber hinaus gehörte Borger zu den ersten, die eigene Computer-Keilschrift- und Umschriftfonts entwickelten.

Auch wenn hier nur ein kurzer Überblick über Borgers monumentalen Arbeiten gegeben werden kann, erhält man doch ein Bild seiner besonderen Rolle in der Altorientalistik und insbesondere für die Lehre. Borger legte die Arbeit mit der Emeritierung nicht nieder, sondern arbeitete auch in seinem „Ruhestand“ weiter und überarbeitete beispielsweise das HKL, sowie die Zeichenliste. Aus der Festschrift, die Stefan Maul zu Borgers 65. Geburtstag 2001 herausgab, geht hervor, dass er nicht nur ein außerordentlicher Forscher und Assyriologe, sondern ebenso ein interessierter und begeisterter Lehrer und ein Vorbild für Studierende und Forschende aus aller Welt war. Sein Beitrag für die Assyriologie beschränkt sich nicht nur auf die umfangreichen Sammlungen und Editionen, die er veröffentlichte, seine Notizen zu Manuskripten und unveröffentlichten Materialien, die er gerne teilte, sondern zeigt sich ebenso im Dank und der Anerkennung seiner Kollegen und Kolleginnen, die er lehrte, begeisterte und unterstützte.