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Press release: Datenschatz über die Würmer in Europas Meeren
No. 15 - 11.02.2026
Neues Projekt zur Erforschung mariner Ringelwürmer mit Beteiligung der Universität Göttingen
(pug) Weltweit verschwinden Arten in alarmierendem Tempo – beschleunigt durch Klimawandel, Lebensraumverlust und invasive Arten. Wenig erforschte Gruppen, darunter viele marine Würmer, trifft es besonders: Ihnen droht das Aussterben, bevor sie wissenschaftlich beschrieben wurden. Forschende der Universität Göttingen, des Leibniz-Instituts zur Analyse des Biodiversitätswandels (LIB) und der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung wollen einen umfassenden Datensatz zu europäischen marinen Ringelwürmern aufbauen und für die internationale Forschung zugänglich machen. Das soll die Entdeckung neuer Arten und die Charakterisierung der biologischen Vielfalt weltweit voranbringen. Das Projekt „EuroWorm: Accelerating Global Marine Annelid Biodiversity Research With Open Genomic Data For European Species” wird vom LIB geleitet und von der Leibniz-Gemeinschaft gefördert.
Marine Ringelwürmer (Anneliden) spielen in nahezu allen Lebensräumen des Meeres eine Rolle: Sie durchmischen Sedimente, recyceln Nährstoffe, zeigen Verschmutzung an und sind wichtiger Teil des Nahrungsnetzes. Das Projektteam will Typuslokalitäten in Europa beproben, also Orte, an denen hunderte Arten erstmals beschrieben wurden. Die dort gesammelten Tiere werden die Forschenden morphologisch bestimmen, hochauflösend fotografieren und mit modernen genomischen und morphologischen Methoden untersuchen. Ziel ist es, für europäische marine Anneliden ein genomisches Inventar zu schaffen, offene Fragen zur Einordnung von Gruppen im evolutionären Stammbaum zu klären und zu untersuchen, wie sich Körperbau, Fortpflanzung und Lebensweise im Verlauf ihrer Evolution verändert haben.
Die Tiere fließen mit ihren Bild- und Genomdaten in die Sammlungen des LIB (Museum der Natur Hamburg) und des Senckenberg Naturmuseums ein. Forschende weltweit und insbesondere im Globalen Süden können Exemplare ausleihen und über Portale von LIB und Senckenberg sowie Plattformen wie GBIF auf die Daten zugreifen. „Durch vergleichende Daten zu europäischen Arten hoffen wir, die Entdeckung neuer Arten und die Biodiversitätsforschung weltweit zu beschleunigen – und so dem ‚stillen Aussterben‘ mariner Arten entgegenzuwirken“, erklärt Projektleiterin Dr. Jenna Moore vom LIB. Gleichzeitig soll das Projekt die Rolle von Naturkundemuseen als moderne Forschungsinfrastrukturen stärken.
Aus der Universität Göttingen wirken drei Forschende der Arbeitsgruppe „Evolution und Biodiversität der Tiere“ am Projekt mit. Sammlungen seien wissenschaftliche Zeitkapseln, sagt Dr. Maria Teresa Aguado Molina: „Historische Sammlungen, kombiniert mit moderner Genomik, erschließen verborgene Biodiversität in einem bisher unerreichten Tempo. EuroWorm zeigt, dass die fortschrittlichsten Entdeckungen mit Exemplaren beginnen, die vor Jahrzehnten gesammelt wurden.“ Prof. Dr. Christoph Bleidorn betont, dass die Erforschung der Evolution der Ringelwürmer in Göttingen eine lange Tradition hat. „Umso mehr freut es uns, diesen Fragestellungen nun im Rahmen eines von der Leibniz-Gemeinschaft geförderten Projekts weiter nachgehen zu können.“
Das EuroWorm-Projekt sei eine einzigartige Gelegenheit, die methodischen Expertisen verschiedener Institutionen zu bündeln, so Dr. Conrad Helm: „Der umfassende, interdisziplinäre Ansatz bietet eine ausgezeichnete Grundlage, die Diversität mariner Ringelwürmer fundiert zu erfassen und zugleich zukünftige Forschungsschwerpunkte gezielt zu definieren.“
Kontakt:
Prof. Dr. M. Teresa Aguado
Georg-August-Universität Göttingen
Arbeitsgruppe Evolution und Biodiversität der Tiere
und designierte Kuratorin des künftigen Biodiversitätsmuseums Göttingen
Telefon: 0551 39-25536
E-Mail: aguadomolina@uni-goettingen.de
Internet: www.uni-goettingen.de/de/623758.html
Prof. Dr. Christoph Bleidorn
Georg-August-Universität Göttingen
Arbeitsgruppe Evolution und Biodiversität der Tiere
Telefon: 0551 39-25511
E-Mail: cbleido@gwdg.de
Internet: www.uni-goettingen.de/de/577460.html
Dr. Conrad Helm
Georg-August-Universität Göttingen
Arbeitsgruppe Evolution und Biodiversität der Tiere
Telefon: 0551 39-25459
E-Mail: chelm@uni-goettingen.de
Internet: www.uni-goettingen.de/de/577461.html