Waldbrände sind ein zunehmend relevantes Thema im Mittelmeerraum. Diese STSM untersucht, wie landwirtschaftliche Praktiken das Management von Waldbränden in ländlichen Gebieten des Mittelmeerraums unterstützen können. Wir konzentrieren uns dabei auf Gemeinden im Norden Sardiniens (Italien), wo Landwirtschaft und Brandmanagement eng miteinander verbunden sind.
Die Forschung analysiert, wie lokale Akteurinnen und Akteure die Rolle des Feuers wahrnehmen, welche sozialen und ökologischen Faktoren Waldbrände in Agrarlandschaften begünstigen und welche Potenziale feuerbewusste Landnutzungsformen bieten, um die Ausbreitung von Bränden zu verhindern.
Durch ein vertieftes Verständnis der Rolle des Feuers in mediterranen Agrarsystemen trägt das Projekt zur Entwicklung brandresilienter Landschaften bei, die ein Gleichgewicht zwischen Brandrisikominderung, nachhaltiger Lebensmittelproduktion und lokalem Ressourcenmanagement herstellen. Die Ergebnisse fließen in eine gemeinsame Publikation von Forschenden der Universität Göttingen und des italienischen Nationalen Forschungsrats (CNR) ein.
Baratz-See: der einzige natürliche See Sardiniens, nördlich von Alghero an der Westküste Sardiniens gelegen.
Ein Wald aus Taxus baccata, genannt „Sos Nibberos“. Dies war eines der ersten Ökosysteme, die ich besucht habe. An diesem Tag war es kalt, neblig und windig, was dem Wald eine magische Atmosphäre verlieh.
Rinder, Schafe, Ziegen und Schweine werden häufig in extensiven Haltungssystemen gehalten, die „brado“ oder „semibrado“ genannt werden. Dabei können sich die Tiere frei auf großen Flächen bewegen und fressen, was ihnen am besten schmeckt.
Weideflächen im Nordosten Sardiniens sind häufig durch das Vorkommen von Korkeichen geprägt. Die Schafe beweiden die Vegetation, halten sie niedrig und bieten durch Milch und Fleisch eine zusätzliche Einkommensquelle.
Die mosaikartige Landschaft Nordsardiniens ist geprägt von kleinen Parzellen, die überwiegend für die Weidewirtschaft genutzt werden. Steinmauern trennen die Grundstücke voneinander und sind oft mit Brombeersträuchern überwuchert. Die mediterrane Vegetation erobert die aufgegebenen Parzellen rasch zurück.
In den letzten Jahren war der Mittelmeerraum von Wald- und Vegetationsbränden mit zunehmender Häufigkeit und Intensität betroffen (Granizo et al., 2025). Diese veränderte Branddynamik wird durch eine Kombination aus ökologischen und soziokulturellen Faktoren angetrieben, darunter anhaltende Dürren, veränderte Niederschlagsmuster, extreme Winde, ländliche Abwanderung sowie unzureichende Landschaftspflege. Diese Faktoren tragen zur Ansammlung brennbarer Biomasse bei (EASAC – European Academies’ Science Advisory Council, Europäischer Wissenschaftlicher Beirat der Akademien, 2025; Salis et al., 2022).
In den 30 Interviews mit lokalen Akteur:innen zeigte sich, dass Waldbrandprävention ein gemeinsames Anliegen aller Interviewpartner:innen war. Die Rolle der Landwirtschaft im Feuermanagement unterschied sich jedoch deutlich zwischen den drei Fallstudiengebieten.
Die Short-Term Scientific Mission war entscheidend für die Durchführung der Feldforschung und den Aufbau lokaler Forschungskontakte. Sie ermöglichte mir die Kontaktaufnahme mit Forschenden des CNR-IBE – Consiglio Nazionale delle Ricerche, Istituto per la BioEconomia (italienischer Nationaler Forschungsrat, Institut für Bioökonomie). Durch ihre Unterstützung konnte ich wichtige lokale Akteur:innen erreichen, darunter Förster von GAUF, Mitglieder von Gemeinderäten, Landwirt:innen, Schäfer:innen sowie Forschende von AGRIS Sardegna – Agenzia regionale per la ricerca in agricoltura (Regionale Agentur für landwirtschaftliche Forschung in Sardinien).
Die Mission eröffnete umfangreiche Möglichkeiten für den wissenschaftlichen Austausch mit sardischen und internationalen Forschenden. Die Zusammenarbeit mit CNR-IBE war besonders wertvoll, um die Auswahl der Fallstudien zu verfeinern, relevante Akteur:innen zu identifizieren und den institutionellen Kontext des Feuermanagements auf Sardinien besser zu verstehen.
Die Mission wurde von lokalen Partnern sehr gut unterstützt, insbesondere vom CNR-IBE, das Kontakte, logistische Beratung und Zugang zu relevanten Netzwerken bereitstellte. Diese Unterstützung war entscheidend, um lokale Akteur:innen zu erreichen und Vertrauen im Feld aufzubauen.
Die Short-Term Scientific Mission führte zu mehreren wichtigen Ergebnissen. Erstens ermöglichte sie die Erhebung umfangreicher qualitativer Daten zum Zusammenhang zwischen landwirtschaftlichen Praktiken und Feuermanagement auf Sardinien. Zweitens lieferte sie drei kontrastierende Fallstudien, die unterschiedliche Formen des Lebens mit Feuer veranschaulichen: Prävention durch Vegetationsmanagement in Korkeichenlandschaften, Wiederherstellung nach Bränden in alten Olivenhainen und die Nutzung kontrollierten Feuers in Weidesystemen.
Durch Interviews und Feldbesuche in Alà dei Sardi, Montiferru und Suni/Sindìa konnte ich drei sehr unterschiedliche Beziehungen zwischen Landwirtschaft und Feuer untersuchen: die Verhütung von Waldbränden in Korkeichenlandschaften, die Regeneration alter Olivenhaine nach Bränden und den kontrollierten Einsatz von Feuer in Weidesystemen.
Die Mission ermöglichte es mir, Kontakte zu Forschern des CNR-IBE und von AGRIS Sardegna, zu Experten für Brandmanagement der GAUF, zu Förstern, Landwirten, Hirten und lokalen Institutionen zu knüpfen. Diese Kontakte waren für die Feldforschung von entscheidender Bedeutung und bilden eine wertvolle Grundlage für zukünftige Zusammenarbeit und Wissensaustausch.
Eine der wichtigsten Erkenntnisse war, wie stark die Feuerresilienz von der täglichen Arbeit der Menschen abhängt, die das Land bewirtschaften, kultivieren und pflegen. Landwirte, Schäfer und Landbewirtschafter zeigten, wie lokales Wissen über Vegetation, Gelände, Wind und Jahreszeiten dazu beitragen kann, aktive, produktive und feuerresiliente Landschaften zu erhalten.
Short-Term Scientific Missions
2026Die Rolle der Landwirtschaft im Management von Waldbränden in mediterranen Ökosystemen
Exkurs: Nordsardinien, Italien
Impressionen
Foto: Maria Chiara Camporese.
Die Veröffentlichungsrechte werden erteilt.
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Ergebnisse & Reflexion
Hintergrund und Forschungsansatz
Während die Kapazitäten zur Brandbekämpfung kontinuierlich verbessert werden, wird zunehmend deutlich, dass Brandbekämpfung allein nicht ausreicht. In ländlichen Gebieten des Mittelmeerraums müssen Prävention, Vorbereitung und Anpassung stärker in den Fokus rücken (Bacciu et al., 2025). Insbesondere indirekte Waldbrandprävention durch ländliche Entwicklung, integriertes Landschaftsmanagement und die geplante Nutzung von Feuer sind bislang noch wenig erforscht (Bacciu et al., 2022). Diese Ansätze betrachten Waldbrandrisiken aus einer soziokulturellen Perspektive und unterstreichen die Rolle ländlicher Wirtschaftssysteme bei der Regulierung von Brennmaterial und der Erhaltung resilienter Landschaften (Wunder et al., 2021; EASAC, 2025).
Diese Studie untersucht, wie landwirtschaftliche Praktiken zur Prävention, Vorbereitung und Anpassung an Waldbrandrisiken in mediterranen ländlichen Landschaften beitragen können. Der Fokus liegt auf der Rolle der Landwirtschaft bei der Reduktion von Biomasseansammlungen, der Unterstützung nachhaltiger Lebensmittel- und Materialproduktion sowie der Identifikation von Ansatzpunkten für ein integriertes Waldbrandmanagement.
Die Forschung wurde in drei Fallstudiengebieten auf Sardinien, Italien, durchgeführt:
Die Forschung befasste sich mit drei zentralen Fragen:
Zur Beantwortung dieser Fragen wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf halbstrukturierten Interviews mit Landwirt:innen, Schäfer:innen, Förster:innen, Forschenden und weiteren Akteur:innen des Landmanagements basiert. Ziel war es, die mentalen Modelle der lokalen Akteur:innen in Bezug auf Feuer, Landwirtschaft und Landschaftsmanagement besser zu verstehen. Die Feldforschung dauerte etwa 60 Tage und fand zwischen März und Mai 2026 statt.
Durch die Untersuchung der Rolle von Feuer in mediterranen Agrarökosystemen trägt diese Forschung zur Entwicklung feuerresilienter Landschaften bei, die nachhaltige Produktion, Biomassemanagement, lokales Wissen und integrierte Ressourcengovernance miteinander verbinden.
Vorläufige Ergebnisse
In Alà dei Sardi betonten Korkeichenproduzent:innen die Bedeutung der Vegetationspflege rund um die Bäume. Diese Praxis bringt mehrere Vorteile mit sich: Vieh kann unter den Bäumen weiden und dadurch eine zusätzliche Einkommensquelle schaffen; die Qualität des Korks wird verbessert, da die Bäume weniger von Pilz- und Bakterienbefall betroffen sind; und wenn ein Waldbrand in das Grundstück eindringt, kann reduzierter Unterwuchs die Feuerintensität senken und Schäden an den Korkeichen begrenzen. Dieses Beispiel zeigt, wie landwirtschaftliches Management direkt zur Waldbrandprävention beitragen und gleichzeitig lokale Lebensgrundlagen unterstützen kann.
Im Gebiet Montiferru hatte der Waldbrand von 2021 schwerwiegende ökologische, wirtschaftliche und kulturelle Auswirkungen. Rund 13.000 Hektar Agrarland verbrannten, darunter tausende alte Olivenbäume sowie ein Olivenbaum, dessen Alter auf etwa tausend Jahre geschätzt wurde. Als Reaktion darauf sammelten lokale Produzent:innen genetisches Material lokaler Olivensorten und pfropften es auf überlebende Wurzelstöcke. Obwohl die Erholung langsam verläuft und politische Unterstützung weiterhin begrenzt ist, nutzen diese Produzent:innen aktiv lokales Wissen, um sowohl die landwirtschaftliche Landschaft als auch ihr kulturelles Erbe wiederherzustellen.
In Suni und Sindìa spielt Feuer eine andere Rolle. Hier arbeiten Schäfer mit Expert:innen für Feuermanagement der lokalen Forstdienste zusammen, darunter GAUF – Gruppo Analisi e Uso del Fuoco (Gruppe für Analyse und Nutzung von Feuer). Gemeinsam setzen sie kontrolliertes Feuer – meist im Frühjahr und Herbst – ein, um altes Gras zu entfernen, Weideflächen zu erneuern und die Belastung durch Krankheitserreger zu reduzieren. Dieser Fall zeigt, wie Feuer unter bestimmten ökologischen und sozialen Bedingungen zu einem sicheren und wirksamen Werkzeug im Landschaftsmanagement werden kann.
Über alle Fallstudien hinweg wurde die Bedeutung lokalen Wissens deutlich. Landwirt:innen, Schäfer:innen und Landmanager:innen zeigten ein tiefes Verständnis von Gelände, Vegetation, Klima, Wind und saisonalen Dynamiken. Ihre Arbeit als Landschaftshüter:innen spielt eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung aktiver, bewirtschafteter und bewohnter Landschaften. Diese Präsenz kann den Unterschied ausmachen zwischen Landschaften, die resilient und produktiv sind, und solchen, die aufgegeben, überwuchert und dadurch anfälliger für große, zerstörerische Waldbrände werden.
Rolle der Short-Term Scientific Mission
Die Mission ermöglichte mir außerdem die Teilnahme an einem von CNR-Forschenden organisierten Workshop in Tortolì, im Osten Sardiniens, zu Zukunftsperspektiven des Feuermanagements. Diese Veranstaltung bot wertvolle Einblicke in aktuelle Debatten zu Waldbrand-Governance und landschaftsbezogener Waldbrandprävention in Sardinien.
Über den direkten Rahmen der Interviews hinaus bot die Mission wichtige Möglichkeiten, den breiteren sozial-ökologischen Kontext der Insel zu verstehen. Gemeinsame Exkursionen mit lokalen Forschenden umfassten Besuche in geschützten Küstengebieten, Versuchsflächen zur mediterranen Flora, Olivenhaine und extensive Weidesysteme. Außerdem nahm ich an lokalen kulturellen Veranstaltungen teil, darunter die Viehmesse in Ozieri, das Wildkräuterfestival in Tula und die Cavalcata Sarda in Sassari. Diese Erfahrungen halfen dabei, die Rolle von Landwirtschaft, Kultur und lokaler Identität bei der Gestaltung sardischer Landschaften besser einzuordnen.
Wissenschaftlicher Austausch und Integration
Der Austausch mit Forschenden von CNR-IBE, AGRIS Sardegna, der Universität Sassari und der Universität Nuoro half dabei, meine Arbeit in regionale Diskussionen zu Waldbrandprävention, ländlicher Entwicklung und Landschaftsresilienz einzubetten. Die Feldbesuche und informellen Gespräche unterstützten zudem die methodische Reflexion, insbesondere hinsichtlich der Nutzung qualitativer Interviews zur Erhebung lokaler „mental models“ von Feuer.
Dieser wissenschaftliche Austausch stärkte die Relevanz der Forschung sowohl für akademische als auch für angewandte Kontexte. Zudem schuf er eine Grundlage für zukünftige Zusammenarbeit, einschließlich möglicher gemeinsamer Publikationen, weiterer Feldforschung und Wissensaustausch mit lokalen Institutionen und Praktiker:innen.
Organisation, Rahmenbedingungen und Ausblick
Die wichtigste Rahmenbedingung für den Erfolg der Forschung war ein hohes Anpassungsvermögen an die Verfügbarkeit lokaler Akteur:innen, landwirtschaftliche Arbeitsrhythmen und die Entfernungen zwischen den Fallstudiengebieten. Die offene und gastfreundliche Haltung der lokalen Gemeinschaften erleichterte die Feldforschung erheblich, da viele Interviewpartner:innen großzügig ihre Zeit, ihr Wissen, ihre Kontakte und den Zugang zu ihren Grundstücken teilten.
Die nächsten Schritte umfassen die Transkription, Übersetzung und Kodierung der Interviews, die Analyse der Wahrnehmungen und mentalen Modelle von Feuer durch die Akteur:innen sowie den Vergleich der drei Fallstudien. Die Ergebnisse werden genutzt, um gemeinsame Herausforderungen, ortsspezifische Strategien und potenzielle Ansatzpunkte für integriertes Waldbrandmanagement zu identifizieren. Darüber hinaus plane ich, die Ergebnisse mit lokalen Kooperationspartner:innen zu teilen und Möglichkeiten für zukünftige Zusammenarbeit auszuloten.
Ergebnisse
Drittens ermöglichte mir die Mission den Zugang zu einem wertvollen Netzwerk aus Forschenden, Förster:innen, Landwirt:innen, Schäfer:innen und lokalen Institutionen. Diese Kontakte werden die weitere Entwicklung der Forschung unterstützen und können zukünftige Kooperationen ermöglichen.
Insgesamt zeigte die Mission, dass Feuerresilienz eng mit Landwirtschaft, lokalem Wissen, ländlichen Lebensgrundlagen und der alltäglichen Arbeit zur Erhaltung lebendiger Landschaften verbunden ist. Die Ergebnisse werden zu laufenden Diskussionen über integriertes Waldbrandmanagement und Landschaftsresilienz in ländlichen Gebieten des Mittelmeerraums beitragen.
Refrences
Highlights
1. Einblicke aus erster Hand in verschiedene Arten des Umgangs mit Feuer
2. Aufbau eines lokalen Netzwerks aus Forschern und Praktikern auf Sardinien
3. Die zentrale Rolle von lokalem Wissen und Landschaftspflege verstehen