Wintersemester 2026/27
Die Veranstaltungen sind in der Regel polyvalent im Studiengang einsetzbar.
Für Studienanfänger:innen:
Vorlesung: Einführung in die Spätantike und Byzantinische Archäologie und Kunstgeschichte / Cubas Díaz / Di. 16.15-17.45Die Einführungsvorlesung bietet Studienanfänger:innen und Interessierten ohne Vorkenntnisse einen grundlegenden Überblick über die materielle Kultur und Bildwelt von den Anfängen der frühchristlichen Kunst bis zum Nachleben der byzantinischen Tradition im 16. Jahrhundert. Ausgehend von frühen Bildzeugnissen in den römischen Katakomben und Hauskirchen sowie den ersten konstantinischen Basiliken in Rom werden die wichtigsten Entwicklungsphasen der frühchristlichen und byzantinischen Kunst nachgezeichnet. Im Mittelpunkt stehen zentrale Gattungen und Monumente – u.a. Kirchenarchitektur, Mosaiken, Wand und Buchmalerei sowie Ikonen –, charakteristische ikonographische Themen (Christus , Marien und Heiligendarstellungen, kirchliche Bildprogramme) sowie ausgewählte postbyzantinische Traditionslinien bis ins 16. Jahrhundert.
Die Vorlesung vermittelt somit grundlegende Inhalte der spätantiken Archäologie und byzantinischen Kunstgeschichte. Zur Vorlesung gehört ein begleitendes Tutorium, in dem Inhalte wiederholt, terminologische Fragen geklärt und exemplarische Objekte gemeinsam besprochen werden; es werden zwei Tutoriumsgruppen angeboten, deren Zeiten in der ersten Sitzung so festgelegt werden, dass möglichst alle Teilnehmer:innen einen Kurs wahrnehmen können.
Ergänzendes Tutorium zur Einführungsvorlesung.
Die Lehrveranstaltung bietet einen grundlegenden Überblick über zentrale Monumente und Arbeitsweisen der spätantiken Archäologie und byzantinischen Kunstgeschichte und kann parallel zur Einführungsvorlesung oder später belegt werden. Behandelt werden wichtige Gattungen wie Mosaiken, Wand und Buchmalerei, Bauplastik sowie Architektur; eingeübt werden vor allem systematische und sorgfältige Objekt und Architekturbeschreibung sowie ikonographische Analyse. Die LV richtet sich an Bachelor Studierende, die sich einen ersten Überblick verschaffen oder gezielt Lücken im Bereich Spätantike/Byzanz schließen möchten.
Für Fortgeschrittene:
Vorlesung: (K)eine Zukunft? Jenseitshoffnungen, Endzeitdenken und Untergangsängste in der spätantiken und byzantinischen Bildkultur / Cubas Díaz / Do. 10.15-11.45Die Vorlesung untersucht altkirchliche und byzantinische Vorstellungen von Ende, Gericht und Heil und ihre bildliche Auseinandersetzung in der christlichen Kunst von der Spätantike bis in die byzantinische und nachbyzantinische Welt des 16. Jahrhunderts. Im Fokus stehen frühchristliche Paradigmen wie salus und salvatio, die Ausbildung späterer komplexer Bildnarrative – etwa des Jüngsten Gerichts – sowie die Frage, wie solche Bildprogramme Hoffnung auf Erlösung, Endzeitvisionen und Untergangsängste zugleich bündeln. An ausgewählten Monumenten und Bildzyklen lernen die Studierenden ikonographische und bildtheologische Zugänge kennen und reflektieren die Funktionen eschatologischer Bildwelten im Spannungsfeld von Trost, Mahnung und Zukunftsangst.
Das Seminar widmet sich der Entwicklung einer kleinasiatischen Landschaft, die zwischen römischer Provinzorganisation und spätantiker Christianisierung tiefgreifenden Wandel erfährt, zugleich aber von starken lokalen und mikroregionalen Kontinuitäten geprägt bleibt. Anhand archäologischer Befunde (Siedlungen, funeräre Landschaften, Kirchenbauten) und epigraphischer Zeugnisse (Inschriften u.a. zu Städten, Kulten, Grabkultur) werden Struktur, Nutzung und Wahrnehmung der Landschaft zwischen Küstenraum und Bergland untersucht. Methodisch führt das Seminar in den Umgang mit materiellen Quellen und Inschriften ein und eignet sich sowohl für Bachelor Studierende als auch für Master-Studierende zur Vertiefung und Schließung regionaler und methodischer Lücken.
Einführende Literaturhinweise:
P. Pilhofer, Das frühe Christentum im kilikisch-isaurischen Bergland. Die Christen der Kalykadnos-Region in den ersten fünf Jahrhunderten (Berlin 2018)
J.C. Cubas Díaz, Das Sepulkralwesen im Rauen Kilikien am Ende der Antike. Funerärarchäologie und Grabepigraphik einer spätantiken Landschaft. Asia Minor Studien 98 (Bonn 2021)
H. Elton, E. Equini Schneider und D. Wannagat, Temple to Church. The Transformation of Religious Sites from Paganism to Christianity in Cilicia (Istanbul 2007)
Bunte und vielgestaltige Mosaikböden stellen in spätantik-frühbyzantinischer Zeit einen entscheidenden Teil aufwändiger Raumausstattungen dar und finden sich im privaten Wohn- und Repräsentationsambiente ebenso wie in öffentlichen Großbauten. Gerade die Region des Nahen Ostens bietet für all diese Verwendungskontexte eine große Anzahl von Beispielen. Im Zentrum des Seminars werden Fragen nach dem Aussagepotenzial des Tessellats als kulturgeschichtliche Quellengattung stehen. Welche Assoziationen wurden in den Räumen durch die Bodengestaltung an die Betrachtenden vermittelt, und ging es hierbei in erster Linie um die Wirkung von Einzeldarstellungen oder ganzer „Bodenprogramme“? Welche Möglichkeiten gibt es überhaupt, sich der Wahrnehmung und der Vorstellungswelt der historischen Betrachtenden der Böden anzunähern? Das Seminar ist sowohl für Bachelor Studierende als auch für Master-Studierende geeignet.
Einführende Literaturhinweise:
M. Piccirillo, The mosaics of Jordan, American Center of Oriental Research Publications 1 (Amman 1993)
R. Talgam, Mosaics of faith. Floors of Pagans, Jews, Samaritans, Christians, and Muslims in the Holy Land (University Park, Pa. 2014)
P. Donceel-Voute, Les pavements des églises byzantines de Syrie et du Liban. Décor, archéologie et liturgie, Publications d'histoire de l'art et d'archéologie de l'Université Catholoque de Louvain 69 (Louvain-La-Neuve 1988)
P. Baumann, Spätantike Stifter im Heiligen Land. Darstellungen und Inschriften auf Bodenmosaiken in Kirchen, Synagogen und Privathäusern, Spätantike, frühes Christentum, Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend. Reihe B. Studien und Perspektiven 5 (Wiesbaden 1999)
S. Watta, Sakrale Zonen im frühen Kirchenbau des Nahen Ostens. Zum Kommunikationspotenzial von Bodenmosaiken für die Schaffung heiliger Räume, Spätantike, frühes Christentum, Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend. Reihe B. Studien und Perspektiven 45 (Wiesbaden 2018)
Frühchristliche Sarkophage stellen eine zentrale Quelle für die Erforschung der religiösen, sozialen und kulturellen Transformationsprozesse der Spätantike dar. Ihre Bildprogramme und Inschriften ermöglichen es, die Entstehung und Entwicklung einer christlichen Ikonographie seit dem späteren 3. Jahrhundert zu verfolgen. Zugleich geben sie Aufschluss über Jenseitshoffnungen und verdeutlichen den Prozess der Christianisierung der spätrömischen Welt. Für Studierende bieten sie daher ein besonders geeignetes Beispiel, um grundlegende Methoden der Bild-, Objekt- und Kontextanalyse kennenzulernen. Dabei werden auch handwerkliche Aspekte, die Auftraggeber und die Orte behandelt, an denen Sarkophage verwendet wurden und die Frage nach dem Ende der stadtrömischen Sarkophagproduktion eingeschlossen.
Einführende Literaturhinweise:
J. Dresken-Weiland, Sarkophagbestattungen des 4.–6. Jhs. im Westen des Römischen Reiches. 55. Supplementheft der Römischen Quartalschrift (Freiburg 2003)
Dies., Bild, Wort und Grab. Untersuchungen zu Jenseitsvorstellungen von Christen des 3.–4. Jahrhunderts (Regensburg 2010)
Dies., Artikel Sarkophag, in: Reallexikon für Antike und Christentum, Bd. 29, Stuttgart 2019, 591–633
M. Schemann, Ein Friessarkophag im Campo Santo Teutonico, Werkgruppe 2 (Freiburg 2019)
M. Studer-Karlen, Verstorbenendarstellungen auf frühchristlichen Sarkophagen (Turnhout 2012)
In dieser Übung wird eine Ausstellung zur Göttinger Kopie des bekannten Kartenmosaiks von Madaba vorbereitet. Das im 6. Jahrhundert entstandene Original schmückte den Boden einer spätantik-frühbyzantinischen Kirche in der Stadt Madaba im heutigen Jordanien. Es gilt als die älteste erhaltene kartographische Darstellung des Heiligen Landes. Die Übung führt die in einer ersten Lehrveranstaltung entwickelten Ideen in die konkrete Ausstellungsplanung über. Aufbauend auf den in Teil 1 erarbeiteten Grundlagen zur Madaba Karte und zur Göttinger Kopie erarbeiten die Studierenden in Arbeitsgruppen ein umsetzbares Ausstellungskonzept: Sie verdichten und priorisieren Formate für verschiedene Zielgruppen, planen Stationen, Abläufe und Medien (Text, Bild, Hands on, digitale Angebote) und stimmen diese kuratorisch zu einer gemeinsamen Präsentation an der Madaba Kopie und in Pop up Formaten ab. Ein besonderer Anspruch der Übung ist es, die Ausstellung so zu gestalten, dass Familien, Schulklassen, kirchliche Gruppen, wenig museumserfahrene Besucher:innen und Fachpublikum jeweils gruppengerecht und niedrigschwellig angesprochen werden.
Einführende Literaturhinweise:
H. Donner, The mosaic map of Madaba. An introductory guide (Kampen 1992)
M. Piccirillo – E. Alliata (Hrsg.), The Madaba map centenary, 1897-1997. Travelling through the Byzantine Umayyad period. Proceedings of the International Conference held in Amman, 7-9 April 1997, Studium Biblicum Franciscanum Collectio maior 40 (Jerusalem 1999)
R. Talgam, Mosaics of faith. Floors of Pagans, Jews, Samaritans, Christians, and Muslims in the Holy Land (University Park, Pa. 2014)
Die Lehrveranstaltung nimmt Frauen in spätantiker und byzantinischer Zeit in den Blick, um weibliche Lebenswelten, Rollen sowie Handlungsspielräume jenseits des Klischees der passiven, auf den häuslichen Bereich beschränkten Frau zu erschließen. Dabei werden archäologische und kunsthistorische Quellen – darunter bildliche Zeugnisse, materielle Kultur und architektonische Denkmäler – im Hinblick auf ihre Aussagekraft sowie die jeweiligen Entstehungs- und Verwendungskontexte kritisch untersucht; auch Gräber sowie die darin erhaltenen menschlichen Überreste werden als Quellen einbezogen, um Einblicke in Lebensbedingungen, Gesundheit und soziale Stellung von Frauen zu gewinnen. Thematisch stehen die Repräsentation und Selbstinszenierung von Frauen, ihre Teilhabe an Bildung und Arbeit, ihre Rolle in Ehe und Familie, aber auch ihre Partizipation am religiösen und kulturellen Leben im Mittelpunkt. Berücksichtigt werden Frauen in unterschiedlichen sozialen Positionen und Lebensphasen, um sowohl aristokratische als auch weniger privilegierte Lebenswelten sichtbar zu machen. Ziel ist es, anhand materieller, visueller und anthropologischer Quellen ein differenziertes Bild weiblicher Lebenswelten zu gewinnen und die Spannungen zwischen gesellschaftlichen Normen, Rollenbildern und tatsächlichen Handlungsspielräumen herauszuarbeiten.
Einführende Literaturhinweise:
J. Herrin, In Search of Byzantine Women: Three Avenues to Approach, in: A. Cameron – A. Kuhrt (Hrsg.), Images of Women in Antiquity 3(London 1993) 167-189
I. Kalavrezou (Hrsg.), Byzantine Women and Their World, Ausstellungskatalog Arthur M. Sackler Museum, Harvard University Art Museums 25.10.2002 – 28.04.2003 (Cambridge 2003)
K. Schade, Frauen in der Spätantike – Status und Repräsentation. Eine Untersuchung zur römischen und frühbyzantinischen Bildniskunst (Mainz am Rhein 2003)
V. Tsamakda – N. Zimmermann (Hrsg.), Privatporträt. Die Darstellung realer Personen in der spätantiken und byzantinischen Kunst, Akten des Internationalen Workshops an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien. 14.-15. Februar 2013, DenkschrWien 522, Archäologische Forschungen 30 (Wien 2020)
In der Lehrveranstaltung erfolgt eine eingehende Beschäftigung mit technischen und handwerklichen Details ausgewählter spätantik-frühmittelalterlicher Bauten. Neben der Vermittlung der einschlägigen Terminologie wird gezeigt, dass solche Details es zuweilen durchaus ermöglichen, Rückschlüsse auf die Qualifikation der Bauleute, das Potential der Bauherren und auch auf die Organisation der Baustelle zu ziehen.
Die Lehrveranstaltung richtet sich an Studierende aller Fachsemester. Sie findet in vier Blöcken statt, jeweils freitags von 1400 bis 1700 Uhr an den folgenden Terminen:
6. November 2026
4. Dezember 2026
15. Januar 2027
12. Februar 2027
Hier gibt es das aktuelle Lehrprogramm auch als PDF.