Brigitte Groneberg
Brigitte Groneberg (*9. April 1945 in Regensburg †5. Februar 2026 in Göttingen) begann 1965 ihr Studium der Altorientalistik, Klassische Archäologie und Alte Geschichte, sowie Islamkunde und Semitistik im Nebenfach, in Münster. 1972 promovierte sie dort mit ihrer Arbeit „Untersuchungen zum hymnisch-epischen Dialekt der altbabylonischen Texte" bei Wolfram von Soden. Von 1972 bis 1987 arbeitete Groneberg, erst als wissenschaftliche Mitarbeiterin, dann als wissenschaftliche Assistentin, an der Universität Tübingen, beispielsweise am „Tübinger Atlas des Vorderen Orients“. Außerdem war sie während dieser Zeit drei Jahre lang Mitarbeiterin am „Chicago Assyrian Dictionary“ der Universität Chicago. In Tübingen habilitierte sie 1985 mit der Arbeit zu „Syntax, Morphologie und Stil der jungbabylonischen „hymnischen“ Literatur. Teil 1: Grammatik, Teil 2: Belegsammlung und Textkatalog“, bevor sie 1989 anfing beim CNRS in Paris als wissenschaftliche Forschungsdirektorin zu arbeiten und Texte aus Mari zu erforschen. 1990 folgte sie dem Ruf der Universität Hamburg und nahm dort als erste Frau bundesweit die Professur für Altorientalistik an. 1999 erhielt sie den Ruf nach Göttingen und übernahm dort die Nachfolge von Rykle Borger am Seminar für Altorientalistik. Von Oktober 2006-2008 war sie Vizepräsidentin der Universität Göttingen und war für den Bereich Studium und Lehre sowie für das Sprachlehrzentrum verantwortlich. Bis 2008 war sie geschäftsführende Direktorin der Altorientalistik und lehrte noch bis zum Sommersemester 2010 als Professorin für Altorientalistik. Brigitte Groneberg lebte, lehrte und forschte 26 Jahre in Göttingen und starb dort am 5. Februar 2026.
Gronebergs Forschungsschwerpunkte waren die babylonisch-assyrische Grammatik und Grammatiktheorie, mesopotamische Religionsgeschichte, mesopotamische Literatur und die Wissenschaftsgeschichte der Assyriologie. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die Bücher „Lob der Ištar" (Groningen 1997), wobei sie sowohl literatur- als auch religionshistorisch vorgeht und „Die Götter des Zweistromlandes“ (Düsseldorf 2004), das eine allgemeine, breite und leicht verständliche Einführung in die Götterwelt des Antiken Orients gibt. 1996 wurde Groneberg mit der "Francois I." Medaille des Collège de France ausgezeichnet. Im Jahr 2000 gründete sie als Herausgeberin die Reihe „Göttinger Arbeitshefte zur altorientalischen Literatur“ (GAAL), die seit 2008 unter dem Titel „Göttinger Beiträge zum Alten Orient“ (GBAO) fortgeführt wird. Sie schaffte für die Studierenden der Universität Göttingen außerdem den Studiengang der Antiken Kulturen, ein Verbund von Fächern zur Erforschung der Antike, der sich bis heute großer Beliebtheit erfreut.
Neben ihrer Forschung und Arbeit für die Altorientalistik war Brigitte Groneberg eine begeisterte und geschätzte Kollegin und Mentorin. Sie legte stets Wert auf interdisziplinäre Zusammenarbeit, was beispielsweise zu dem DFG-geförderten Graduiertenkolleg „Götterbilder – Gottesbilder – Weltbilder“ führte, das von 2004-2012 an der Universität Göttingen gefördert wurde.