Wolfram von Soden
Wolfram von Soden (*19. Juni 1908 in Berlin †6. Oktober 1996 in Münster) studierte in Marburg, Leipzig und Berlin. Seine Promotion zum „Der hymnisch-epische Dialekt des Akkadischen“ vollendete von Soden 1931 in Leipzig bei Benno Landsberger, im Dezember 1933 habilitierte er in Göttingen. Seine Habilitationsschrift „Die Bedeutung sprachlicher Beobachtungen für die Gewinnung einer babylonischen Literaturgeschichte“ blieb unpubliziert.
Im Mai 1934 erhielt von Soden einen Lehrauftrag in Göttingen, der 1936 zu einem Extraordinariat für Assyriologie und Arabistik ausgeweitet wurde. Im Jahr 1940 berief man ihn als Ordinarius an die Universität Berlin, allerdings wurde er kurz darauf in den Kriegsdienst eingezogen, weswegen er seine Stelle nie antreten konnte. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wurde von Soden in Berlin entlassen. 1950 erteilte man ihm einen unbezahlten befristeten Lehrauftrag für Assyriologie in Göttingen. Erst durch den persönlichen Einsatz seines früheren Lehrers, Benno Landsberger, erhielt von Soden Anfang 1953 eine Diätendozentur, welche kurz darauf zu einer außerplanmäßigen Professur wurde. Jedoch blieben die Bleibeverhandlungen mit Göttingen 1954/55 erfolglos, woraufhin er dem Ruf an die Universität Wien folgte und dort als Ordinarius wirkte. Maßgeblich verhinderte seine Beteiligung an gewaltsamen Aktionen gegen Göttinger Bürger*innen und sein Engagement für das nationalsozialistische Deutschland in der NS-Zeit seine (Wieder)Berufung nach Göttingen. 1961 erhielt von Soden einen Ruf nach Münster, wo er dann bis zu seiner Emeritierung 1976 wirkte und am 6. Oktober 1996 verstarb.
Anders als von Borger in seinem Nachruf dargelegt, war von Soden ein „Nationalsozialist aus Überzeugung“, wie er selbst während seiner Entnazifizierung zu Protokoll gab. Diese Überzeugungen lassen sich bis in die Zeit vor der Machtergreifung zurückverfolgen (dazu mehr in Vacín/Raulwing 2025, 329-401). Am 09.05.1934 trat von Soden der SA bei, in der er 1936 zum Rottenführer ernannt wurde. Nach Ende des Aufnahmestopps trat er 1937 freiwillig der NSDAP bei. Im Laufe der 1930er Jahren wurde er zudem Mitglied in dem NSLB, NS Dozentenbund, Altherrenbund der Deutschen Studenten, NSV und Reichsluftschutzbund. Diese Zugehörigkeiten hatten maßgebliche Auswirkungen auf seine akademische Laufbahn und sein Ansehen unter seinen Kollegen.
Von Soden arbeitete an grundlegenden wissenschaftlichen Projekten. 1948 erschein das „Akkadisches Syllabar“ (Rom 1948), im Frühjahr 1952 der „Grundriss der akkadischen Grammatik“ (Rom 1952), der bis zum heutigen Tag noch immer seinen festen Platz im Unterricht und in der Wissenschaft hat. Im Anschluss verwirklichte er die Veröffentlichung des „Akkadischen Handwörterbuches“ (erste Auflagen: 1965-1981, Wiesbaden), auf Basis eines unvollendeten Manuskriptes von Bruno Meissner, ebenfalls ein Meilenstein in der Geschichte der Assyriologie. Wolfram von Soden war auch korrespondierendes Mitglied der Akademien der Wissenschaften in Wien (1957), Mainz (1969), Heidelberg (1973), Göttingen (1981) und der British Academy in London (1973), Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts und der Societas Orientalis Fennica sowie Ehrenmitglied der Deutschen Orient-Gesellschaft.