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Presseinformation: Bauernproteste in Europa: Was Landwirtinnen und Landwirte bewegt

Nr. 4 - 19.01.2026

Forschungsteam analysiert Motive und politische Reaktionen in vier Ländern

 

(pug) Mit Traktoren, Bannern und Blockaden machten Landwirtinnen und Landwirte Anfang 2024 unmissverständlich deutlich, dass sie mit der aktuellen Situation in der Landwirtschaft mehr als unzufrieden sind. Welche Gründe stehen hinter der Unzufriedenheit? Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen hat erstmals systematisch Aussagen der Landwirtinnen und Landwirte ausgewertet. Online-Befragungen unter 2.232 Betrieben in Deutschland, Frankreich, Belgien und den Niederlanden ergaben: Die Motive der Proteste unterscheiden sich deutlich zwischen den Ländern, und politische Reaktionen greifen diese Vielfalt nur teilweise auf. Während in Deutschland vor allem Bürokratie kritisiert wird, stehen in Frankreich finanzielle Belastungen im Vordergrund. In Belgien gibt es eine breite Mischung verschiedener Beschwerden und in den Niederlanden herrscht Unmut über das politische Umfeld vor. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Food Policy veröffentlicht.

 

Die Grundlage der Studie bilden Online-Befragungen, die kurz nach den Protesten durchgeführt wurden. Dabei stellten die Forschenden offene Fragen, um ungefiltert zu erfassen, was Landwirtinnen und Landwirte selbst als wichtigste Gründe für die Proteste nennen. Mit manueller Auswertung und KI-gestützter Textanalyse kategorisierten sie die Antworten und analysierten ihren emotionalen Tonfall. „So konnten wir nicht nur untersuchen, was Landwirtinnen und Landwirte kritisieren, sondern auch, wie stark Emotionen wie Ärger oder Frustration ihre Aussagen prägen“, sagt Prof. Dr. Doris Läpple von der Universität Göttingen, Erstautorin der Studie. Konkrete Beschwerden wie übersteigerte Bürokratie oder Probleme mit dem Einkommen gingen häufig mit einem frustrierten Ton einher. Allgemeinere Themen wie Unzufriedenheit mit der Politik wurden dagegen teils aggressiver formuliert.

 

Im weiteren Schritt verglich das Forschungsteam die geäußerten Gründe für die Proteste mit den politischen Maßnahmen, die darauf auf nationaler und europäischer Ebene folgten. Dabei zeigte sich eine Diskrepanz: Auf einige zentrale Kritikpunkte wie Bürokratie und finanzielle Belastungen gingen Regierungen zwar ein. Umwelt- und Klimathemen erhielten jedoch überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit im Verhältnis zu ihrer Bedeutung für die Landwirtinnen und Landwirte. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass politische Antworten gezielter an den tatsächlichen Sorgen ansetzen sollten“, so Läpple. Eine bessere Berücksichtigung der nationalen Kontexte könne dazu beitragen, Spannungen abzubauen und Vertrauen zwischen Landwirtschaft und Politik zu stärken, lautet das Fazit.

 

Originalveröffentlichung: Läpple, D., Thoyer, S., Van den Broeck, G., Lécole, P., Sok, J. & de Mey, Y. Farmers’ Voices in European Protests: Diverse Complaints, Emotional Tones, and Policy Responses. Food Policy (2026). DOI: 10.1016/j.foodpol.2025.102999

 

Kontakt:

Prof. Dr. Doris Läpple

Georg-August-Universität Göttingen

Department für Agrarökonomie

und Rurale Entwicklung

Platz der Göttinger Sieben 5, 37073 Göttingen

Telefon: 0551 39-24806

E-Mail: doris.laepple@uni-goettingen.de

Internet: www.uni-goettingen.de/de/676045.html